Archiv für den Monat: Februar 2012

Sigmund Freuds Traum – Arzt-Blog

Man kann daran glauben oder nicht. Manche träumen viel, andere scheinbar gar nicht. Sind Träume wirklich Schäume? Oder versucht das Unterbewusstsein uns etwas zu sagen?

Rätselhaft und unkontrollierbar: Der Traum hat die Menschen seit tausenden von Jahren in seinen Bann gezogen. Während in der Antike den Träumen eine göttliche oder dämonische Quelle zugeschrieben wurde, suchte Sigmund Freud das Verdrängte in ihnen. Was verrät diese Aktivität des Gehirns in der eigentlichen Ruhephase über uns?

Freuds schlechtes Gewissen – ein Glücksfall?

Der junge Sigmund Freud hatte ein schlechtes Gewissen. Der Zustand einer Patientin, die sich in seine Obhut begeben hatte, verschlechterte sich. Während der folgenden Nacht träumte er, dass er die Patientin erneut untersuche. Der Zustand der Frau lässt auf ein körperliches Leiden schließen. Ein befreundeter Arzt kommt hinzu und bestätigen, dass die Frau eine Infektion hat. Ein dritter Arzt habe der Patientin eine Injektion mit einer unsauberen Spritze gegeben, berichtet sein Freund. Dieser Traum ist nichts weniger als der Beginn der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Unterbewussten.

Freud analysiert den Traum aus seiner eigenen Erfahrung, gräbt in ihm wie ein Archäologe: Er wolle anscheinend nicht an dem schlechten Zustand der realen Patientin schuld sein – so seine Schlussfolgerung. Mehr noch: Freud hatte der Patientin zu einer Operation bei seinem befreundeten Arzt geraten, die misslang. Auch der befreundete Arzt wurde in seinem Traum entlastet. Der Wunsch nach Absolution, den er nur in seinem Unterbewussten mit sich herum getragen hat manifestiert sich in diesem Traum. Von diesem Zeitpunkt an hielt Freud die Traumdeutung als geeignetes Mittel, über geheime Wünsche und unentdeckte Ängste Auskunft zu geben.

Botschaften aus der Tiefe des Gehirns

Freud ging jedoch noch weiter: hinter den im Traum erlebten würde eine bestimmte, meist wichtige symbolische Botschaft stecken. Erfahrungen der Kindheit flössen dabei maßgeblich ein, genauso wie unterdrückte Triebe und Gefühle. Mit der Methode der Tiefenpsychologie könnten diese Symbole systematisch „entschlüsselt“ werden. Das sei eine Grundvoraussetzung für die Diagnostik und das Gelingen einer Therapie.

In seinem Buch „Die Traumdeutung“ legte er 1899/1900 eine Wissenschaftliche Theorie des Traumes vor, die in einigen Grundzügen auch heute noch wissenschaftlich akzeptiert ist. Die „Traumdeutung“ ist ein im wahren Wortsinn Epoche machendes Werk: Auch Künstler entdecken die Traumanalyse für sich, als ein Werkzeug für ihre Arbeit. Damit löst der Surrealismus den Realismus ab, der die Kunst des 19. Jahrhunderts prägt. Das Buch markiert aber auch den Ausgangspunkt der Psychoanalyse. Sie hat unser Bild vom Menschen radikal verändert. Sigmund Freud relativierte mit ihr die Rationalität menschlichen Handelns und erkannte, dass der Mensch von unbewussten Trieben bestimmt wird.

Die Dokumentation „Sigmund Freuds Traum“, die Sie am Dienstag, 21. Januar 2014, 23.10 Uhr sehen können, führt zu den Lebensstationen, die Freud in seinem wissenschaftlichen Leben entscheidend geprägt haben.

via Sigmund Freuds Traum –.